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Currywurst

Dänemark, trotz seiner reichhaltigen Ressourcen, hatte es geschafft, eine Wurst, ertränkt in Ketchup, Senf und Remoulade, zu seinem Nationalgericht der Herzen zu machen. Dänemark hat sich gewandelt. Und wir, in Deutschland, haben die Currywurst.

Currywurst

Geführt als: Currywurst mit Tortilla-Crunch & Brötchen

Das Gericht

Vor über zehn Jahren sind wir mal dem dänischen Koch Claus Meyer, Mitbegründer des Noma, begegnet. Er sprach über die Neue Nordische Küche und wie deren Gründung vor allem ein Protest war gegen den kulinarischen Protestantismus Dänemarks. Denn Dänemark, trotz seiner reichhaltigen Ressourcen, hatte es geschafft, eine Wurst, ertränkt in Ketchup, Senf und Remoulade, zu seinem Nationalgericht der Herzen zu machen. Meyers Erklärung war, dass der Protestantismus Genuss als etwas Negatives betrachtete, und der Hotdog ist seine logische Konsequenz. In Gabriel Axels Film Babettes gæstebud wird einer kleinen dänischen Fischgemeinde ein Festmahl von einer französischen Köchin serviert. Das Essen soll so gut werden, dass die Gemeinde auf Grund der daraus resultierenden Sünde durch Genuss beschließt, nie darüber zu sprechen - logisch.

Dänemark hat sich gewandelt, das Noma war fünf mal das beste Restaurant der Welt (auf jeden Fall für Gäste - für Mitarbeiter eher weniger) und es gibt in Europa kaum eine spannendere Küche.

Und wir, in Deutschland, haben die Currywurst. Und selbst hier ist der Deutsch-Anteil übersichtlich. So will die Legende, dass man das Currypulver in Deutschland von britischen Soldaten kennt. Und die haben es - sicherlich freiwillig und mit großer Begeisterung ihrer Untertanen - aus ihren Kolonien zurückgebracht.

Trotzdem: Wenig in Deutschland vereint und spaltet so sehr wie diese in Tomatensauce ertränkte Wurst. Insbesondere die Frage, wer sie erfunden hat, wird von unterschiedlichen Regionen unterschiedlich beantwortet. Berlin behauptet, eine Frau Namens Herta Heuwer hätte sie 1949 erfunden und kann einen Markeneintrag für Curryketchup ("Chillup") im Jahr 1959 nachweisen. Hamburg hat eine Novelle von Uwe Timm, in der die Currywurst aus Hamburg stammt. Und der Ruhrpott fährt die schweren Geschütze auf und lässt Herbert Grönemeyer ein Lied zu ihren Ehren singen.

Daneben ist auch die Frage des "Wie?" nicht klar. So streitet man in Berlin, ob man, wie im Osten, den Darm um die Wurst entfernt, oder ihn, im Westen, kross mitbrät.

Also wirklich typisch deutsch.

Typisch deutsch ist es auch, dass es zwei Sorten von Menschen gibt: die einen, die nicht wissen, dass der VW-Konzern mehr Currywurst als VWs produziert, die anderen, die keine Chance verpassen, den Ersteren dies mitzuteilen (Teilenummer 199 398 500 A). Als VW die Currywurst 2021 nicht mehr von einer Kantine serviert wurde, musste der damals noch nicht vollends in Ungnade gefallene Ex-Bundeskanzler G. Schröder die Lage retten. Hätte er sich um den VW-Konzern selbst bemüht, hätte man vielleicht verhindern können, dass es darauf hinaus läuft, dass VW in ein paar Jahren nur noch Currywurst, und keine Autos mehr, herstellt.

Trotz aller Ketzerei: Die Currywurst ist ein ultimatives Comfort Food, das eigentlich jeder:m schmecken dürfte. Und weil Currywurst generell fein gekuttert ist, ist es ehrlich gesagt auch egal, woraus man Currywurst macht. Deshalb eignet sie sich hervorragend als veganer Snack. Auch wenn es kurz so aussah, als dürfe man nicht mehr vegane Wurst sagen, hat die EU 2026 das sogar ausdrücklich erlaubt. Umso schockierender, dass die DB die vegane Currywurst selbst gestrichen hat.

Wie war's?

Die Currywurst wird warm serviert, entweder mit einem weißen Bauernbrötchen oder mit Kartoffelecken. Das Erste, was einem auffällt, ist der Tortilla-Crunch, der, abgesehen davon, dass er nichts auf einer Currywurst verloren hat, sehr ansehnlich ist und das Gericht aufwertet. Der danach folgende Geruch der Currywurst erinnert an gleichwertige Produkte, die einem in Berliner Imbissen vorgesetzt werden. Hier keine Beanstandungen.

Beim ersten Bissen kommen dann aber zwei Probleme ins Spiel: erstens ist der Tortilla-Crunch nicht wirklich crunchy, nahezu abgestanden. Nun ist es so, dass der Crunch aus einem Streuer kommt, und es sein kann, dass dieser schon länger geöffnet ist. Durch die allgemeine sowie, im Speziellen, die erhöhte Luftfeuchtigkeit der Galley des Zuges verlören die Stückchen, welche hygroskopisch sind, dann an Biss. Wassermoleküle drängen sich zwischen die starren Verbindungen aus Stärke und Zucker und dehnen diese auseinander. Man spricht hier auch von Plastifizierung. Dadurch sinkt die sogenannte Glasübergangstemperatur und mit genug Wasser, diese fällt unter Raumtemperatur und der Crunch crunched nicht mehr. Zweitens ist der Darm der Wurst nicht knusprig. Wenn man eine Currywurst mit Darm serviert, ist dieser Zustand inakzeptabel. Darüber hinaus ist die Wurst auch nicht besonders auffällig. Eine Currywurstbude legt Wert auf ihre Fleischwaren, in diesem Falle haben wir aber eine generische Wurst.

Glücklicherweise hören die Beschwerden hier auf: die Currysauce, das lässt sich objektiv bewerten, ist gut. Diese war auch vor der "Neue(n) Rezeptur" gut. Sie hat die nötige Süße; Säure, Salz und Schärfe sind korrekt dagegen balanciert. À propos Schärfe - die Bordrestaurant Currywurst ist pikant, aber nicht scharf. Das mag Currywurstdogmatiker:innen irritieren, ist aber im Kontext eines Bordbistros, in welchem die Speisen einen möglichst breiten Geschmack treffen wollen, eine verständliche Entscheidung. Auch im Nachgeschmack bleibt eine wärmende Schärfe, die wohl 90 % aller Bahnreisenden gut vertragen können. Was diese Sauce nicht ist, ist fruchtig. Manche Currysaucen benutzen Ananas oder Apfelkompott - nichts davon liegt, laut Zutatenliste, hier vor.

Auch wichtig: die Currywurst hat ausreichend Sauce, sodass nach dem Verspeisen Sauce übrig bleibt um damit wahlweise das Brötchen oder die Kartoffelecken zu garnieren. Das ist möglicherweise keine formelle Anforderung an eine Currywurst, steigert das Verzehrerlebnis aber deutlich. Keine Sonderwertung, aber wenigstens ein Hinweis: Das Brötchen ist alles in allem komplett adäquat für den Zweck - eine gute Wahl.

Alles in allem ist die Currywurst sehr gut. Sie ist nicht perfekt, aber wir reden hier auch immer noch von Convenience-Food. Daher gibt es die volle Anzahl an Zügen - fünf von fünf.

ℹ️
Bewertung: 5/5 Zügen
Preis: 7,90€
Testdatum: 22. September 2026
Einführungsdatum: -
Abschiedsdatum: -

Inhaltsstoffe:

BRATWURST (gebraten; Schweinefleisch (93 %), Speck, Wasser, Speisesalz, Würzmischung (Würze, Gewürze, Emulgator (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren), Stabilisator (Diphosphate), Gewürzextrakte), SENFMEHL, Petersilie, Pfeffer, Kümmel, Majoran, Schweinedarm) (41 %), Wasser, Tomatenmark, Zucker, Branntweinessig, modifizierte Stärke, jodiertes Speisesalz (Speisesalz, Kaliumjodat), Gewürze, Kräuter, Dextrose, Würze, Rapsöl, Schweinefleisch aus der EU

Bauernbrötchen hell: WEIZENMEHL, Wasser, Kartoffelflocken, Salz, Hefe, Stabilisator: Guarkernmehl; Säureregulator: Natriumacetate; Emulgatoren: Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Mono- und Diacetylweinsäurester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren; WEIZENMALZMEHL, Mehlbehandlungsmittel: Ascorbinsäure, Brötchen aus Deutschland

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