[ÖBB Railjet] Wiener Schnitzel vom Schwein
Das Gericht
Heute nicht aus dem ICE, sondern dem Railjet - Österreichs unambitionierter Antwort auf den ICE, der in Ermangelung von falschen Ambitionen ein richtig guter Zug ist. Ambitioniert dagegen ist es, in einem Bordrestaurant ein Wiener Schnitzel anzubieten. Woher das in Fett ausgebackene Kalbsschnitzel ursprünglich kommt, ist unklar, aber viele Anzeichen deuten darauf hin, dass es sich, ähnlich wie zum Beispiel bei der Carbonara, nicht wirklich um ein besonders traditionelles Gericht handelt, sondern erst in den letzten 150 Jahren in Österreich ankam. Ein ähnliches Gericht gibt es in Italien, das Cotoletta alla milanese, sowie in Japan, das Tonkatsu.

Unstrittig dagegen ist, dass das Wiener Schnitzel aus Kalb sein muss. Wenn man andere tote Tiere benutzt, muss man dies in Österreich kenntlich machen - zum Beispiel als Schnitzel "Wiener Art" oder, wie hier: Wiener Schnitzel vom Schwein. Auch in Deutschland ist die Frage der Namensgebung wichtig. Die dritte Kammer des Verwaltungsgerichtes Arnsberg hat 2009 unter dem Aktenzeichen 3 K 3516/08 geurteilt, dass die Bezeichnung Wiener Schnitzel vom Schwein, wegen der die Lebensmittelüberwachung einem Schweinefleischverwerter aus Rheda-Wiedenbrück (IYKYK) ein Bußgeld von 10.000 € festsetzte, zulässig sei. Um aber die Chance nicht zu verpassen, bei unseren österreichischen Freunden noch mal nachzutreten, argumentierte das Gericht, dass ein Wiener Schnitzel das panierte Schnitzel "schlechthin" sei. Damit könnte man argumentieren, dass jedes panierte Fleisch ein Wiener Schnitzel sei. Im Urteil wurde festgestellt, dass das Gericht in einer Internetrecherche herausgefunden hat, dass die Formulierung sogar in Österreich, dem "Mutterland des Wiener Schnitzels" nicht als irreführend gelte. Allerdings gibt es in dieser Frage kein höchstrichterliches Urteil, so dass der diplomatische Affront bisher vermieden wurde.
Wie war's?
Dass es in einem Bordrestaurant keine Pfannen mit heißem Fett gibt, ist nicht nur verständlich, sondern einfach nur Arbeitsschutz. Nach wenigen Minuten gab es einen Teller, wie vom Menü versprochen, mit einem Schnitzel und Petersilerdäpfel, also Kartoffeln mit Pflanzenkrümeln drauf. Das Schnitzel war heiß, trocken und zäh. Die Panade war - bemerkenswerterweise - gleichzeitig stabil am Fleischkörper, ganz nach der Kunst der Lebensmittelchemie, und trotzdem auch eigenartig krümelig. Zusätzlich fehlten Beilagen, beispielsweise Preiselbeeren oder ein Stück Zitrone. Alles in allem ist das Schnitzel eine ziemliche Enttäuschung. Interessanterweise ist man sich auf dem Kulinarik-Subreddit r/SchnitzelVerbrechen nicht einig, wie das Schnitzel zu bewerten sei. Die Kartoffeln können das Gericht nicht aufwerten. Ganz im Sinne ihres österreichischen Namens schmeckten sie nach Erde. Zusätzlich hat sich um sie herum schon eine dünne, feste Haut aus Stärke und Fett gebildet. Die Petersilie (oder Petersil) hatte nur einen (fragwürdigen) optischen Wert.
Das Schnitzel ist, im Gegensatz zum Railjet als Zug, ein ambitioniertes Unterfangen. Daher ist es fast nicht zu vermeiden, dass das Gericht eine Enttäuschung ist. Der Sinn dieser Position auf dem Menü ist schleierhaft. Wahrscheinlich handelt es sich einfach um Lokalpatriotismus und Nationalstolz. Ignoriert man die lächerliche unterliegene Haltung ist damit ist dieses Schnitzel zwar essbar, aber eignet sich damit nur als "Gag-Speise", und "weil es geht". Zwei von fünf Zügen, weil ungenießbar war es auch nicht.
Preis: 15,90€
Testdatum: 9. Juli 2026
Einführungsdatum: -
Abschiedsdatum: -