[ÖBB Nightjet] Frühstück
Das Gericht
Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages, sagt eine Volksweisheit. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass diese Aussage ernährungswissenschaftlicher Unsinn ist. Selbst neuere Studien zeigen, dass bei Erwachsenen das Abhandensein von Frühstück nicht unbedingt negative Auswirkungen auf mentale Leistung hat. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, wenn man erfährt, dass diese Volksweisheit keine Volksweisheit ist, sondern ein als "medizinischer Fakt" getarnter Werbespruch. Der amerikanische Eugeniker und religiöse Fundamentalist John Kellogg ist mit der Diätassistentin Lenna Cooper in die Welt gezogen um Cornflakes zu bewerben. Kellogg hatte Cornflakes ursprünglich erfunden, um durch reizarme Kost bei Jungen das Verlangen nach Masturbation zu senken.
Heute ist das Frühstück in Europa ein durchcodiertes, von sozialen Zwängen zermartertes Ritual, welches im aktuellen Endstadium des hemmungslosen Kapitalismus auf der hedonistischen Seite vom sogenannten "Brunch" (ein Schachtelwort aus Breakfast und Lunch) weiterentwickelt wurde, und auf der toxisch maskulinen Seite zu einer Proteinorgie optimiert wird, um sich für die nächste Mammutjagd vorzubereiten. Beide Bewegungen zeigen versehentlich, wie nutzlos Frühstück als Kulturgut ist: der Brunch bricht mit der Vorstellung von "Frühstücksessen", und der Gesundheitswahn selbstoptimierender Männer reduziert das Frühstück auf das, was es ist: Kalorienaufnahme.
Insofern ist es zu begrüßen, dass man im ÖBB NightJet nach einer langen (und oft unruhigen) Nacht eine Mahlzeit bekommt.
Wie war's?
Das Konzept des Frühstücks im NightJet, welches vom französischen Caterer Newrest stammt, ist simpel und hervorragend: es gibt eine Karte, auf der diverse, prinzipiell eher lieblos zusammengewürfelte, Positionen stehen, von denen man sich 6 aussuchen darf. Die Frühstückssubjekte sind unterteilt in Essen und Getränke und wesentlich fleischlastiger, als dies 2026 noch angebracht wäre (Was ein Putensaunaschinken ist konnte im Rahmen dieser Zugfahrt nicht geklärt werden). Was auffällig auf der fehlt Karte sind sogenannte "Kaffeeteilchen", also beispielsweise Croissants, Chocolatines oder ähnliche süße Frühstücksspeisen. Wer süß frühstücken mag, muss sich das aus Marmelade und "Gebäck" (Österreicher benutzen den Gattungsbegriff und meinen damit Brötchen) zusammenstellen, oder den Joghurt essen.

Die Speisen haben dabei allesamt Supermarktqualität. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, denn man bekommt hier ganz handelsübliche Produkte, zum Beispiel Darbo Marmelade, serviert, so wie man sie aus jedem Supermarkt kennt. Auch der Käse oder der Aufschnitt entspricht dem, was man im Supermarkt in Plastikschalen kaufen kann.
Wo das Frühstück noch einmal besonders auffällt, ist bei den Getränken. So gab es, bis vor einigen Jahren, auffällige, wenn auch unhandliche Keramikbecher, die zum Zeitpunkt des letzten Tests durch Pappbecher ersetzt wurden. Dabei bekommt man entweder Filterkaffee, oder einen Becher mit Wasser, und darf sich den Tee oder den Kakao selbst zubereiten. Besonders weit von einer Idealform entfernt ist der wasserbasierte Kakao, sowie der Umstand, dass die Wassertemperatur von brühend heiß bis lauwarm variiert und somit das Frühstückserlebnis noch einmal deutliche Variabilität aufweist.
Nichtsdestotrotz: man bekommt nach einer langen Nacht ein für ein inkludiertes Angebot doch recht großzügiges Frühstück von einem ausnahmslos hervorragend freundlichen Personal. Solides Frühstück mit drei Zügen.
Preis: kostenlos im Schlafwagen
Testdatum: 12. Juni 2026 und davor
Einführungsdatum: -
Abschiedsdatum: -